Projektstart PODIUM Soundwalk zum jüdischen Leben in Esslingen

Entlang sieben historischer wie gegenwärtiger Orte jüdischen Wirkens entsteht ein musikalischer Parcours durch Esslingen. Sieben Kompositionen basierend auf Recherchen vor Ort bilden ein Mosaik aus vergangenen Geschichten und heutigen Themen. Der Soundwalk wird im Rahmen des PODIUM Festival 2021 eröffnet und kann ab dann individuell begangen werden.

Das jüdische Leben auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands ist ähnlich alt wie das christliche, belegt ab dem frühen vierten Jahrhundert: Der älteste Nachweis, ein Edikt über das Recht jüdische*r Bürger*innen in der römischen Stadt Köln, stammt aus dem Jahr 321. Daher feiert die Bundesrepublik in diesem Jahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, mit einem Festjahr, das dezentral mit rund tausend Veranstaltungen begangen wird.

Einer dieser Orte wird Esslingen sein. PODIUM Esslingen wird in Kooperation mit zahlreichen Partner*innen die Vergangenheit und Gegenwart jüdischen Lebens mit einem innovativen Musikkonzept im Raum der Stadt feiern: Mit einem individuell begehbaren Soundwalk mit eigens entwickelten Stücken von sieben zeitgenössischen Komponist*innen, entfalten sich die so oft übersehenen Spuren, die das Judentum am Neckar hinterlassen hat, neu und lebendig. Entlang historischer wie gegenwärtiger Orte jüdischen Wirkens entsteht ein eindrücklicher musikalischer Parcours, der ab der Eröffnung beim PODIUM Festival im Juli über das Smartphone jederzeit und zeitsouverän erlebbar ist. Das besondere musikalische Format zwischen Komposition, Radiokunst und Mashup-Kultur sowie das innovative Rezeptionsformat sollen neue künstlerische Experimentierräume öffnen und dabei ungewöhnliche Perspektiven auf jüdisches Leben ermöglichen.

In den vergangenen neun Jahrhunderten wurde jüdische Präsenz in Esslingen mehrfach ausgelöscht und immer wieder neu begründet. Die Geschichte und die Gegenwart zwischen Kreativität und Alltag, Resilienz und Bedrohung ist die Basis der künstlerischen Beiträge. Im Gespräch mit Expert*innen und Menschen aus der jüdischen Community, im Archiv und auf der Straße recherchiert die Stuttgarter Dramaturgin Lena Fritschle zur jüdischen Gemeinde Esslingen. Im Juni kommen schließlich sieben Komponist*innen mit jüdischem und nicht-jüdischem Hintergrund für eine Residenz in die Stadt, um sich vom gefundenen Material und der Atmosphäre vor Ort inspirieren zu lassen. Hier entstehen klanglich-dokumentarischen Werke, in denen biographische Fragmente, Assoziationen und aktuelle Bezüge mit elektroakustischer und immersiv produzierter Musik verwoben werden: Sieben Episoden zu sieben Stationen, die zusammen ein Mosaik vergangener Geschichten und heutiger Themen bilden. Später werden diese auf dem Smartphone der Nutzer*innen an den ausgewählten Plätzen in der Innenstadt ortsspezifisch abgespielt.

Heute hat die Esslinger Gemeinde etwa 250 Mitglieder. Ihre Synagoge ist wieder das 1819 erworbene Fachwerkhaus Im Heppächer, mitten in der Altstadt. 2019 konnte darum das 200. Jubiläum der Synagoge gefeiert werden. Jubelereignissen wie diesem zum Trotz, entwickelt sich in Deutschland wieder verstärkt ein offen gelebter Antisemitismus. Diesem entgegenzutreten ist mithin auch zentrales Anliegen des Soundwalk-Projekts. Mit seinem pädagogischen Begleitprogramm und einem speziell auf Jugendliche zugeschnittenen Podcast will es auch den Esslinger Schulen ein Angebot machen, die neue Alltäglichkeit des jüdischen Leben in der Nachbarschaft kennenzulernen.

Die sieben beteiligten Komponist*innen werden im Folgenden kurz vorgestellt :

Shasta Ellenbogen kommt aus Kanada, lebt aber seit einem Jahrzehnt in Berlin, wo sie mit der Serie »Classical Sundays« neue Wege in der Präsentation klassischen Materials geht und dafür das Irresistible Wiesenburg Ensemble gründete. Ihre eigene Kompositionsarbeit ist in esoterischen und numerologischen Prinzipien verwurzelt.

Rike Huy ist Trompeterin, Solotrompeterin der Basel Sinfonietta und mehrfache Preisträgerin. Aber sie studierte auch Theater und spielte mit Popstar Peaches. Ihre musikalischen Hintergründe sind klassisch wie elektronisch, erfolgreich war sie zuletzt mit dem Soundtrack zum Film »Live«.

Elischa Kaminer ist Komponist, Performer, singende Meerjungfrau und Theatermacher. Er leitet derzeit die experimentelle Londoner Gruppe Ensemble x.y. Seine Musik bewegt sich zwischen Musiktheater, Soundkunst, Elektronik, queerem Pop und yiddischer Musik.

Paulina Sofie Kiss ist Musikerin und Komponistin mit Schwerpunkt auf experimenteller und elektronischer Musik, der sie sich nach ihrer Ausbildung an der Bratsche annäherte. Sie ist künstlerische Leiterin des Detect Ensembles und Dramaturgin des innovativen Festivals Detect Classic.

Marco Mlynek ist Pianist, Gitarrist, Sänger und Komponist. Er schreibt regelmäßig Stücke und Soundtracks für Theater und Film, die songbasierte Musik mit Minimal Music und ungewöhnlichen Instrumentierungen verbinden. Hörbar etwa in seinem experimentellen Folkrock-Projekt Companion Songs.

Mary Ocher ist in Moskau geborene Israelin, als Musikerin eine treibende Kraft der Berliner Indie-Szene und Nachfolgerin der experimentellen Szene der 1970er und 1980er Jahre. Die ästhetische Spannbreite ihrer Musik reicht von traditionellem Folk zu Garage-Rock zu Ambient zu abstrakter Synthesizer-Musik.

Amir Shpilman ist Komponist und Grenzgänger zwischen Architektur, Poesie und Musik. Oft schafft er für seine Stücke gigantische Kulissen und experimentiert mit der Ordnung des Chaos. Seine Werke wurden auf der Venedig-Biennale aufgeführt und im Jüdischen Museum Berlin ausgestellt.

Das Projekt »PODIUM Soundwalk« über jüdisches Leben in Esslingen wird im Rahmen des Festjahres »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« vom Innovationsfonds Kunst 2021 durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und von der Karl Schlecht Stiftung gefördert; es entsteht in Partnerschaft und mit Unterstützung zahlreicher Institutionen und Einzelpersonen, darunter die IRGW Zweigstelle Esslingen / Elena Braginska, das Stadtarchiv Esslingen / Dr. Joachim J. Halbekann, der Verein DENK-ZEICHEN e.V. ESSLINGEN / Gerhard Voss, die Initiative Women* of Music (W*oM) / Hajnalka Péter, das Ensemble Mediterranea / Alon Wallach, das Detect Festival sowie Dr. Joachim Hahn und Oron Haim.

Foto: Pamina Rottok

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