PODIUM ESSLINGEN
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The Ghosts are returning

Ein Text von PODIUM Team

Die Folgen des Kolonialismus gehen uns alle an, davon ist der neue Künstlerische Leiter von PODIUM Esslingen, Joosten Ellée, überzeugt: „Ich freue mich deshalb sehr, dass wir mit dem Projekt THE GHOSTS ARE RETURNING erneut ein europäisch-kongolesisches Kooperationsprojekt realisieren können und damit einen Beitrag zur aktuellen Postkolonialismus-Debatte leisten werden.“ Dieses neue PODIUM-Projekt – das Nachfolgeprojekt von „Herkules von Lubumbashi“ – wird von der Kulturstiftung des Bundes maßgeblich gefördert und gemeinsam mit der Group50:50 und zahlreichen Partnern – darunter Centre d’Art WAZA Lubumbashi, Kaserne Basel, Landestheater Vorarlberg, euro-scene Leipzig und CTM Festival Berlin – verwirklicht.

Das zentrale Thema von THE GHOSTS ARE RETURNING ist die Restitution von Kulturgütern, wozu u.a. auch menschlichen Überreste gehören, wie die Skelette, die von den Kolonialmächten einst aus dem Kongo mitgenommen und noch immer nicht zurückgegeben worden sind. Im Zentrum steht dabei eine multimediale Musiktheaterproduktion, die in einem kollaborativen Prozess mit Künstler*innen aus Europa und dem Kongo entwickelt und mit diskursiven Formaten kombiniert wird. PODIUM Esslingen knüpft mit diesem Projekt an den Erfolg des gesellschaftskritischen Minen-Oratoriums „Herkules von Lubumbashi“ von 2019 an, das ebenfalls als Kooperationsprojekt u.a. mit dem Centre d’Art WAZA Lubumbashi und mit der großzügigen Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes erfolgreich umgesetzt wurde. Das Projekt THE GHOSTS ARE RETURNING startet jetzt und hat eine Laufzeit bis März 2023. Die Premiere findet im September 2022 in Esslingen statt, ehe die Produktion nach Basel, Bregenz und Leipzig weiterzieht und 2023 in Berlin und in Lubumbashi/Kongo gezeigt wird.

Was wäre, wenn die Geister von entwendeten Skeletten zurückkehren würden? Mit dieser Frage nach Raub von Kulturgütern während der Kolonialzeit beschäftigt sich das neue musikalisch-szenische Stück „The Ghosts are returning“ – und ist zugleich ein Gedenken an die Millionen Opfer.

Hintergrund dafür ist folgendes: 1952 brachte ein Schweizer Arzt sieben „Pygmäen-Skelette“ aus der kongolesischen Provinz Ituri mit nach Hause, die bis heute in den Archiven der Universität Genf gelagert sind. Für Elia Rediger und Eva Bertschy, die Mitinitiator*innen der Group50:50, die sich nach der Zusammenarbeit beim Projekt „Herkules von Lubumbashi“ gegründet hat, ist offensichtlich: Die Restitution von Kulturgütern – und auch von menschlichen Überresten – wird eine Aufgabe sein, der sich die Menschen in Europa und Afrika in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gemeinsam stellen müssen. Damit verbunden ist auch die Restitution der Bedeutung dieser Objekte und das Eingeständnis Europas, die Deutungshoheit darüber abzugeben. Dies bedeutet zugleich eine Auseinandersetzung mit Schuld und mit Schulden gegenüber den ehemaligen Kolonien, der sich aktuell noch viele in Europa nicht stellen wollen.

Zum Leitungsteam des Projekts gehören neben dem in Berlin lebenden Komponisten, Sänger und Performer Elia Rediger (TONALi-Preisträger 2021), der Dramaturgin Eva-Maria Bertschy und dem Künstlerischen Leiter von PODIUM Esslingen Joosten Ellée, die im Kongo lebenden Künstler*innen Michael Disanka (Bühne), Kojack Kossakamvwe (Komponist und Musiker) und Christiana Tabaro (Regie und Performance). Das Ensemble besteht darüber hinaus aus Musiker*innen aus Europa und dem Kongo. Die diskursiven Formate werden in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner EUROPEAN ALTERNATIVES durchgeführt, einer zivilgesellschaftlichen Initiative, die sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen auseinandersetzt und regelmäßig Impulse gibt für öffentliche Debatten. Gefördert wird das Projekt u.a. von der Kulturstiftung des Bundes, dem Kanton Basel und der Stiftung Pro Helvetia.

Beteiligte Künstler*innen

Regie und künstlerische Leitung: Christiana Tabaro, Eva-Maria Bertschy, Michael Disanka und Elia Rediger
Komposition und Musikalische Leitung: Kojack Kossakamvwe und Elia Rediger
Dramaturgie und diskursives Rahmenprogramm: Eva-Maria Bertschy und Patrick Mudekereza
Bühne und Ausstattung: Christiana Tabaro, Michael Disanka und Janine Werthmann . Performer*innen: Ruth Kemna (Bratsche und Performance), Christiana Tabaro (Gesang und Performance), Huguette Tolinga (Perkussion), Kojack Kossakamwve (Gitarre), Franck Moka (Elektronik und Performance), Merveil Mukadi (Bass), Elia Rediger (Gesang und Performance)

Vorstellungstermine

-> 23.09.2022 Premiere im FFT Düsseldorf im Rahmen des düsseldorf Festival

-> 25.09.2022 Vorstellung im Theaterhaus Stuttgart

-> 29.-01.09.2022 Vorstellungen in der Kaserne Basel

-> 05.10. & 07.-08.10.2022 Vorstellungen im Vorarlberger Landestheater Bregenz

-> 09.-10.11.2022 Vorstellungen in der Schaubühne Lindenfels im Rahmen des Festivals euro-scène Leipzig

-> Ende Januar 2023 Vorstellungen im Rahmen des CTM Festivals

-> Anfang Februar 2023 Vorstellungen in der Demokratischen Republik Kongo

The Ghosts are returning ist ein gemeinsames Projekt von PODIUM Esslingen mit der Group50:50, dem Centre d’Art Waza Lubumbashi und den European Alternatives – in Koproduktion mit CTM Festival Berlin, euro-scene Leipzig, Kaserne Basel und dem Vorarlberger Landestheater. Gefördert im Fonds TURN2 der Kulturstiftung des Bundes – gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Weiterhin gefördert vom Fachausschuss Tanz & Theater BS/BL und der Stiftung Pro Helvetia.